Wanted: Das perfekte Sielebnis

Repräsentative Studien haben erwiesen, dass die Geschlechter unterschiedliche Interessen haben, wenn es um ihr Shopping-Erlebnis im Internet geht. Beim Female Commerce nutzt der Online-Handel verschiedene Bereiche des klassischen Gender Marketings für sich. Setzen Unternehmen diese Erkenntnisse des Female Commerce sinnvoll ein und stimmen sie ihre Online-Shops auf das weibliche Nutzerverhalten ab, können beide Seiten davon profitieren: Umsätze werden gesteigert und Kundinnen haben ein positives Einkaufserlebnis. Worauf es beim Female Commerce besonders ankommt, erklären die Expertinnen Nina Gudorf und Tina Fleer von basecom.

Kaufverhalten verstehen

Während Männer eine gute Lösung suchen, suchen Frauen die perfekte. „Frauen sind oft zum Stöbern in Online- Shops. Sie klicken sich überall durch und wägen ab, bis sie das für sie perfekte Teil gefunden haben“, erklärt Nina. Wenn sie beispielsweise irgendwo einen Kimono sieht, der ihr gefällt, sucht sie online so lange, bis sie auch genau diesen Kimono gefunden hat. Männer ticken da anders. „Sie brauchen eine neue Hose, also klicken sie auf ,Hose‘. Eventuell filtern sie noch die Farbe und den Preis, aber dann nehmen sie auch schon die bestmögliche Hose“, sagt Nina.

Mehrwerte sichtbar machen

Heutzutage ist ein optisch schöner Online-Shop eine Grundvoraussetzung, die alleine nicht mehr ausreicht, um Kundinnen zu überzeugen. Damit Frau die Entscheidung für einen Kauf fällt, müssen Mehrwerte geboten werden. „Beispielsweise kann ein Mehrwert eine lange Rückgabezeit oder ein kleines Präsent sein, das es zu einem Kauf dazu gibt“, sagt Tina. Sie selbst kauft noch lieber online, wenn es einen Rabatt-Code für die Seite gibt. „Letztens habe ich eine Seite einfach auf Instagram angeschrieben und nach einem Code gefragt – kurze Zeit später hatte ich den 20-Prozent-Code in meinem Postfach.“

Neugierde wecken

Ein Online-Shop muss das Interesse der weiblichen Nutzer für die Produkte wecken und explizit auf deren Wünsche eingehen. „Das gelingt häufig durch direkte Ansprache und verlockende Angebote“, sagt Tina. Außerdem wichtig: Frauen stöbern selten nur in einem Shop. Der Shop muss also in Erinnerung bleiben, damit er beim endgültigen Kauf wieder gewählt wird.

Einfachheit vermitteln

Komplizierte Kaufverfahren findet niemand gut. „Frauen schätzen es, wenn alles übersichtlich und gut zu verstehen ist, das gilt in Bezug auf Suchfunktionen ebenso wie bei Zahlungsweisen oder Retouren“, so Nina. Außerdem muss der Sinn und Zweck eines Online-Handels sichtbar sein: „Lebensmittel vom Supermarkt online zu bestellen, finde ich noch schwierig, muss ich zugeben“, sagt Nina. Da sei die Zielgruppe für sie noch nicht ganz klar.

Die Kunden* umwerben

Die Kunden* wollen sich gut fühlen beim Shoppen. „Es ist ganz wichtig, Vertrauen aufzubauen sowie eine gute Benutzer*freundlichkeit und ein ansprechendes Shop-Design zu bieten“, sagt Tina. Auch der Einbezug von Influencern* kann hier hilfreich sein, wenn diese authentisch das jeweilige Produkt in Action präsentieren. Gerade Frauen lassen sich so häufig zum Kauf animieren.

„WOW“-Faktor schaffen

Ein ansprechendes Aussehen des Shops ist das A und O. Tina will aber nicht die Klischee-Farben Rosa für Frauen und Blau für Männer nennen. „Dieses Denken ist alt. Man kann allgemein sagen, dass schlichte und zurückhaltende Farben Frauen eher ansprechen“, sagt sie. Diese vermitteln Seriosität und Hochwertigkeit. Aber auch bei der Lieferung kann ein Shop bei der Präsentation punkten, wenn er beispielsweise edle Verpackungen für die Produkte nutzt.

Überzeugungskraft nutzen

Wichtig bei einer Kaufentscheidung sind für Frauen persönliche Geschichten von anderen „Mitkäuferinnen“: Das können Kunden*bewertungen sein, aber auch Empfehlungen von Influencern*. „Die Gründerin des Interior-Online-Shops Westwing zeigt häufig ihre Produkte in ihrer eigenen Wohnung. Dadurch wird der Shop gleich viel authentischer“, weiß Nina. Solche Beispiel-Wohnzimmer seien für sie immer eine Inspiration für die eigenen vier Wände. Eine andere Variante ist beispielsweise, dass Kunden* auf der Shop-Seite Bilder hochladen können, die zeigen, wie das Produkt an „realen“ Menschen aussieht.

Nina Brinkmann
Nina Brinkmann ist Redakteurin bei brandence und bringt den Kollegen jeden Tag einen neuen Ohrwurm mit ins Büro. Die Ex-Sportjournalistin liebt es Fußball zu schauen, auch wenn sie es mit ihrem Lieblingsverein Werder Bremen nicht immer leicht hat.