Real Experience

Innovationen im E-Commerce? Fehlanzeige. Und das seit 2007. Das iPhone als Display-only-Smartphone war eine der letzten großen Innovationen für den Consumer Market. Seither ändert sich nicht viel.

Online-Shops und Webportale, wie wir sie kennen, ähneln sich alle sehr und setzen auf Bewährtes. Das Risiko, Neues auszuprobieren, ist für viele Unternehmen zu hoch – und die Angst vor finanziellen Einbußen vorherrschend. Das ist nachvollziehbar, aber bremst die Entwicklung zu innovativen, nutzerzentrierten Produkten.

Fakt ist: Wir müssen kein neues Smartphone erfinden, um mutig zu sein. Aber: Wir müssen mit Nutzern testen und die Menschen mit in die Produktentwicklung einbeziehen. User Centered Design (UCD) ist ein Prozess, der aus verschiedenen Phasen besteht. Diese Phasen benötigen Expertenwissen und Erfahrung. Die Durchführung erledigt ein Designer oder Softwareentwickler nicht mal eben nebenbei. Viele bekannte Nutzungsschnittstellen und Interaktionskonzepte haben Schwachstellen oder zumindest Möglichkeiten zur Verbesserung. Entscheidend ist immer: Wer sind die Nutzer? UCD-Experten sind darin geschult, das mit dem Kunden als Domänen-Experten zu analysieren. Domänen-Experte bedeutet in diesem Fall, dass sich unser Kunde am besten in seiner Branche auskennt. Ein Textilverkäufer, der einen Online-Shop betreibt, weiß besser in der Domäne „Textilien“ Bescheid als ein Softwareentwickler oder UX-Designer. Daher ist seine Mitarbeit bei der Entwicklung nutzerzentrierter Produkte wichtig.

Testing mit realen Nutzern

Für die UCD-Phasen Konzeption, Analyse und Prototyping gibt es viele Methoden. Dazu gehören Umfragen, Fokusgruppen, Personas oder User Journey Maps. Diese Methoden sind anerkannt und weit verbreitet. Mein Fokus heißt aber: Testing mit realen oder potenziellen Nutzern.
Das wird meiner Meinung nach zu selten gemacht. Die Gründe dafür: Diese Testings sind zeitaufwendig und teuer. Auch die Entwicklung ist dann nicht mehr zwangsläufig linear, der Aufwand weniger leicht zu kalkulieren. Ein weiteres Problem stellt der Preis für den Mehraufwand dar, den Kunden oftmals nicht bezahlen möchten. Die Vorteile des Testings sind allerdings, dass sie garantiert wertvolle Ergebnisse für ein Produkt mit hoher Usability liefern. Oft bringen schon Tests mit nur sechs Nutzern Aufschluss.

In einer Umfrage des Bitkom gaben mehr als Dreiviertel der befragten Unternehmen an, dass Usability für sie ein wichtiges Thema ist. Aber nur ein Viertel führt bereits definierte Prozesse aus, um die Usability ihrer Produkte zu verbessern.

Darum lautet mein Fazit: Nutzertests sind viel wertvoller als Interviews. Wir dürfen die Nutzer nicht nur fragen, was sie möchten, wir müssen auch erleben, was sie tatsächlich tun.

Dr. Florian Klompmaker
Florian Klompmaker ist COO bei basecom. Nach seinem Master in Virtual Reality promovierte er in Informatik mit Schwerpunkt Interactiondesign /Human Computer Interaction. In seiner Freizeit fährt er gerne Rad, hört Musik oder kocht.